04.11.2022 08:20 Alter: 24 days

Nachhaltige und klimaresiliente Stadtentwicklung - Forschungsprojekt „Stadtoasen im Klimawandel“ untersucht Grünflächen in München

Kategorie: Forschung

Sophie Arzberger brennt für die Themen Stadtklima und -ökologie. Seit Mai promoviert die junge Naturwissenschaftlerin an der Professur für Wald- und Agroforstsysteme der TUM in Weihenstephan. Im Projekt „Stadtoasen im Klimawandel“ forscht sie zur sozial-ökologischen Bedeutung von urbanen Grünflächen für das Wohlbefinden der Menschen.

Doktorandin Sophie Arzberger betreut knapp 100 Klimastationen in München und analysiert die Vegetationsstruktur in 35 Grünanlagen (Quelle: Sebastian Kissel / TUM).

Sophie Arzberger montiert eine Klimastation an einen Baum im Münchner Olympiapark. Das Gerät misst Lufttemperatur und -feuchte (Quelle: Sebastian Kissel / TUM).

Mit dem handgeführten 3D-Laserscanner erfasst Sophie Arzberger die Vegetationsstruktur im Umfeld einer der Klimastationen (Quelle: Sebastian Kissel / TUM).

Worum geht es im Projekt „Stadtoasen im Klimawandel“?

Städte sind zum Beispiel durch längere Hitzeperioden besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Grünflächen können hier unter anderem zum Temperaturausgleich beitragen. Auch die gestiegene Nachfrage nach Erholung und Naturerleben kann teilweise durch ein Netz an Grünflächen befriedigt werden. Das Projekt soll zeigen, wie Stadtoasen geschaffen, geschützt und entwickelt werden können, um einen Beitrag zur urbanen Klimaanpassung und klimaangepassten Gesundheitsvorsorge zu leisten.

Welche Funktion haben Sie bei diesem Projekt?

Mein Hauptaufgabenbereich sind die naturwissenschaftlichen Fragen zur klimabezogenen Bedeutung der Grünflächen in München. Insgesamt laufen in diesem Projekt drei Doktorarbeiten. Meine Kolleginnen Stefanie Burger (Anm.: Professur für Urbane Produktive Ökosysteme, Prof. Monika Egerer) und Birgit Probst (Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik, Prof. Michael Suda) übernehmen die partizipative Sozialforschung. Im Rahmen von Umfragen werden sie die verschiedenen Faktoren untersuchen, die im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der Menschen stehen.

Wer kann an den Umfragen teilnehmen?

Alle können mitmachen und die Teilnahme ist ganz leicht. Entweder den QR-Code auf den Plakaten und Flyern in den Grünanlagen scannen oder zur offenen Umfrage direkt auf unsere Homepage www.stoasen.de gehen. Dort besteht die Möglichkeit, die persönlichen Wohlfühloasen in München zu markieren und zu beschreiben.

Wie sehen Ihre konkreten Aufgaben aus?

Ich bin unter anderem für die Betreuung der knapp 100 Klimastationen im Stadtgebiet verantwortlich. Außerdem analysiere ich mit terrestrischem Laserscanning die Vegetationsstruktur in 35 Parks und Grünanlagen.

Was macht das Projekt für Sie persönlich so reizvoll?

Ich bin der Meinung, dass wir die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen nur dann überwinden können, wenn alle Akteure – Bürger:innen, Stadtplaner:innen, Grünflächenmanager:innen, Vertreter:innen des öffentlichen Gesundheitswesens und wir als Wissenschaftler:innen - eng zusammen arbeiten. Daher gefällt mir besonders der inter- und transdisziplinäre, sowie der praxisorientierte Ansatz. Denn häufig werden quantitative naturwissenschaftliche Ansätze nicht mit empirischer Sozialforschung kombiniert.

Was geschieht mit den Ergebnissen der Umfragen?

Wir schauen uns an, auf welche sozialen und ökologischen Aspekte die Bürger:innen in "ihren Stadtoasen" Wert legen. Diese Erkenntnisse bringen wir mit den räumlich-strukturellen Parametern und mikroklimatischen Daten zusammen, um mehr über die gesundheitlich relevanten Faktoren zu erfahren.

Wo findet Ihr Projekt Anwendung?

Stadtoasen müssen wichtige Leitbilder der Stadtentwicklung in Zeiten des Klimawandels sein. Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für Kommunen und Planer:innen für eine zukunftsfähige Stadtgestaltung zusammengefasst werden.

Wie erleben Sie persönlich die Grünflächen Münchens?

Zu Beginn des Projekts bin ich jede Grünfläche innerhalb des Mittleren Rings mit dem Rad abgefahren und war erstaunt, wie grün München generell ist. Es muss nicht immer der Englische Garten sein!

Haben Sie Lieblings-Stadtoasen?

Mir hat es besonders der S. Goudstikker Park in Ramersdorf angetan. Man fühlt sich durch die vielen alten Bäume fast wie im Wald. Fasziniert hat mich auch der Dichtergarten, der im Gegensatz zum Hofgarten nebenan eher naturbelassen ist.

Für welche Themen brennen Sie?

Mich motiviert es, zu sehen, wie viele Menschen unheimlich viel Zeit und Energie investieren, um ihre Stadt lebenswerter, klimaresilienter und nachhaltiger zu machen. Ganz nach dem afrikanischen Sprichwort „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“.

Haben Sie eine Vision?

Ich möchte nach meiner Promotion einen Teil dazu beitragen, dass unsere Städte klimaresilienter werden und wir uns auch in Zukunft noch im urbanen Raum wohl fühlen. Ob das in der Forschung sein wird, als Stadtplanerin oder im Grünflächenmanagement, lasse ich mir noch offen.

Weitere Informationen:

  • Sophie Arzberger, 25, wuchs in der Nähe von Nürnberg auf. Sie studierte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Geowissenschaften und in Bayreuth Geoökologie. Dort war sie auch ehrenamtlich in einem Naturschutzverein tätig, der sich für naturnahe Stadtgestaltung einsetzt.
  • Für die TUM entschied sich Sophie Arzberger wegen der großen Expertise im Bereich Stadtklima und -ökologie und wegen des Netzwerks, das eine projektübergreifende Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen ermöglicht. Sie promoviert bei Prof. Peter Annighöfer, Professur für Wald- und Agroforstsysteme in Weihenstephan.
  • Jeder kann an der Umfrage zu den Stadtoasen in München teilnehmen: Entweder über den QR-Code auf den Plakaten und Flyern in den Grünanlagen oder auf www.stoasen.de. Dort besteht die Möglichkeit den persönlichen Wohlfühlort in der Landeshauptstadt zu markieren.
  • Auf Instagram @stadtoasenmuc gibt es Einblicke in die Forschung und Inspirationen, um wandernd oder radelnd Münchens grüne Oasen kennenzulernen.

Redaktion:
Katharina Kipfelsberger / Verena Meinecke
Technische Universität München
Corporate Communications Center
presse@tum.de
Teamwebsite

Kontakte zum Artikel:
Sophie Arzberger
TUM School of Life Sciences
Professur für Wald- und Agroforstsysteme
Tel. +49 (0)8161 71-4696
sophie.arzberger[at]tum.de