09.01.2020 11:46 Alter: 13 days

WZW-Neujahrsempfang 2020: Die Innovation der Zukunft findet an den Schnittstellen statt

Mitglieder der Fakultät, Emeriti und Unterstützer des Wissenschaftszentrums Weihenstephan (WZW) der Technischen Universität München (TUM) trafen sich am Mittwoch, 8. Januar 2020, zum traditionellen Neujahrsempfang. Der Dekan des Life Science Campus, Prof. Thomas Becker, begrüßte den Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, blickte auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück und kündigte für 2020 viele organisatorische Veränderungen an. Er versprach, dass es keinem in der Fakultät langweilig werden würde. Voller Energie startet er - und auch die vielen neuberufenen Professorinnen und Professoren - ins neue Jahr.

Die neuberufenen Professorinnen und Professoren stellten sich beim Neujahrsempfang vor.

Zehn neuberufene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereichern das WZW in diesem Jahr. Prof. Karin Pritsch, Prof. Rupert Seidl, Prof. Sara Diana Leonhardt, TU-Altpräsident Prof. Wolfgang Herrmann, Prof. Nina Henriette Uhlenhaut, Dekan Prof. Thomas Becker, Prof. Andreas König, Prof. Kurt Gedrich, Prof. Veronika Somoza (v.l.n.r.) Nicht auf Bild sind Prof. Corinna Dawid, Prof. Timo Oksanen sowie Prof. Thomas Rötzer. (Bild: Peter Bungartz)

Die besten Masterarbeiten aus den sechs Studienfakultäten wurden von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher ausgezeichnet. Auf dem Bild (v. l.n.r.) Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, Markus Bauer, Kristina Witzgall, Josef Ranner, Lena Dworschak, Kim Wagner, Samira Dietze, Dekan Prof. Thomas Becker. (Bild: Peter Bungartz)

Den Auftakt zum Neujahrsempfang gestaltete der Altpräsident Prof. Wolfgang A. Herrmann, der zwar seit Oktober im Ruhestand ist, als Freisinger Bürger jedoch nach wie vor eine starke emotionale Nähe zum Standort Weihenstephan habe. Er bezeichnete die Entwicklung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan zu einem exzellenten Wissenschaftsstandort als seine „schwierigste aber lohnendste Aufgabe“ während seiner 24-jährigen Amtszeit als TU-Präsident.

Als das Wissenschaftszentrum Weihenstephan vor mittlerweile 20 Jahren gegründet wurde gab es viele Vorbehalte gegen die Einführung neuer organisatorischer Strukturen und dennoch seien genau diese wichtig gewesen, um im internationalen Wettbewerb punkten zu können. Er ermutigte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WZW deswegen, sich jeden Tag neu anzustrengen, denn „oben ist immer noch Luft“.

Ausblick: Fachübergreifende Forschung wird wichtiger


An diesem Punkt setzte auch der Dekan des WZW, Prof. Thomas Becker, an, denn genau die strukturellen Veränderungen, die am Standort Freising bereits vor vielen Jahren stattgefunden haben, sind in den kommenden Jahren auch für die gesamte TUM geplant. Deren Fakultäten werden in sogenannte Schools zusammengeführt. Mit diesem Konzept war die TUM im dritten Exzellenzwettbewerb 2019 erfolgreich, und es werde, laut dem Dekan eine der größten Umstrukturierungen der vergangenen Jahrzehnte.

Auch in Freising wird es Veränderungen geben: Statt der bisherigen sechs Forschungsdepartments wird die Forschung zukünftig in den drei Departments Molecular Life Sciences, Life Science Systems und Life Science Engineering organisiert werden. Alle drei Departments sind auf das gemeinsame Ziel „One Health“ ausgerichtet. Eine Erkenntnis ist für den Dekan dabei von entscheidender Bedeutung: „Innovationen der Zukunft finden an den Schnittstellen statt, zum Beispiel zwischen Ernährung und Medizin, zwischen Informatik und den Biowissenschaften oder Informatik und den Agrar- und Forstwissenschaften“. Die Struktur- und Organisationsformen müssten an dieser Interdisziplinarität ausgerichtet sein. Dazu gehöre auch die nötige technologische Infrastruktur und so sollen beispielsweise alle Versuchseinrichtungen für pflanzen- bzw. tierwissenschaftliche Versuche in jeweils einer Core facility zusammengefasst werden. Damit seien sie für alle besser zugänglich und könnten auf dem Stand der internationalen Forschung gehalten werden.

In der ersten Jahreshälfte 2020 starten die Professuren „Crop Physiology“, „Intestinal Microbiome“, „Precision Agriculture“ sowie „Wald- und Agrofortssysteme“. Außerdem wurde der Forschungsneubau „Zentrum für Integrierte Infektionsprävention (ZIP)“ nach erfolgreicher erster Begutachtung nun final beantragt. Darüber hinaus kündigt Dekan Becker den neu konzipierten Master-Studiengang „Agricultural Biosciences“, der eine Schnittstelle zwischen Agrarwissenschaften und Biowissenschaften schaffen wird, für das kommende Wintersemester an.

2020 soll das Jahr der Kommunikation werden

Als besonders wichtig für das kommende Jahr hob Becker die Bedeutung der Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen hervor. Nach innen müsse die Arbeit der Fakultät und die ständigen Änderungen transparent und argumentativ erklärt werden, um möglichst alle Personalschichten damit zu erreichen. Nach außen dürfe man die Themen rund um Ernährung, Landnutzung und Umwelt - die im Zuge der Klimawandeldiskussion inzwischen weite Teile der Bevölkerung interessieren - nicht nur den Interessengruppen überlassen, sondern müsse die Inhalte und Ergebnisse der eigenen Forschung auch selbst nach außen tragen. Wichtig sei es dabei, von der rein beschreibenden Darstellung auch zu Konsequenz- und Folgenaussagen zu kommen. Zum Ende des alten Jahres wurde deshalb die Broschüre „TUM School of Life Science – Working for One Health“ erstellt, die die wichtigsten Forschungsbereiche der Fakultät darstellt. Die Universität präsentiert sich außerdem im kommenden Juli allen interessierten Besucherinnen und Besuchern wieder an einem Tag der offenen Tür, der in diesem Jahr im Rahmen des 1. Freisinger Innovationstage für Ernährung und Lebensmittel stattfindet.

Rückblick: „Nach hinten schauen, aber nach vorne denken“

Rückblickend auf das Jahr 2019 freute sich Becker, dass er als Dekan der Fakultät nahezu in allem Wort halten konnte, was er beim letzten Neujahrsempfang angekündigt hatte. Mit einer kleinen Ausnahme: Das geplante Kongresszentrum gibt es in Freising noch nicht, doch Oberbürgermeister Eschenbacher und Becker sind sich über die Notwendigkeit eines solchen Zentrums einig und wollen diese Mammutaufgabe schnell und tatkräftig angehen. 

Im Jahr 2019 wurde im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder die TUM als Exzellenzuniversität bestätigt und bleibt damit – neben der LMU – die einzige Exzellenzuniversität Bayerns. Dass Bayern damit als Gesamtheit etwas an Boden verlor stimmte Becker nachdenklich, er freute sich jedoch über die enormen Investitionsabsichten der Landregierung im Wissenschaftsbereich, denn „erfolgreiche Wirtschaftspolitik von morgen ist nur möglich mit Wissenschaftspolitik von heute“, sagte Becker wörtlich. Unbedingt müsse der Anschluss an die Weltspitze ausgebaut bzw. wieder erreicht werden, denn „im internationalen Wettbewerb ist die Luft dünn und das erreichte von gestern nur die Voraussetzung, um das morgige zu schaffen“, so Becker.

Auszeichnungen auf höchstem Niveau

Um auf diesem hohen Level lehren und forschen zu können braucht es exzellente Professorinnen und Professoren. Der Dekan hob deshalb ausdrücklich die Preise und Auszeichnungen hervor, die Forscherinnen und Forscher des WZW im Jahr 2019 erhalten hatten. Darunter beispielsweise der deutsche Umweltpreis, der von Bundespräsident Steinmeier an Frau Prof. Ingrid Kögel-Knabner (Lehrstuhl für Bodenkunde) überreicht wurde, sowie der bayerische Verdienstorden, der an die Emeriti Prof. Hannelore Daniel und Prof. Ludwig Narziß verliehen wurde. Als „Highly Cited Researchers“, also Forscher, die besonders oft zitiert wurden und dadurch entsprechendes Ansehen in Ihren Fachkreisen genießen, wurden zudem vier Professorinnen und Professoren aus Weihenstephan ausgezeichnet: Prof. Ingrid Kögel-Knabner (Lehrstuhl für Bodenkunde), Prof. Hans Pretzsch (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde), Prof. Michale Schloter (Honorarprofessor für Bodenmikrobiologie) und Prof. Wolfgang Weisser (Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie). Prof. Michael Pfaffl erhielt die Heinz Maier-Leibniz-Medaille 2019 für seine herausragende, international beachtete und vielzitierte Forschungsarbeit zur relativen Quantifizierung von mRNA durch real-time RT-PCR. Im Jahr 2019 wurde außerdem erneut (im zweijährigen Turnus) der Wissenschaftspreis der Stadt Freising verliehen, der an Corinna Dawid und Youssef Belkhadir ging. „Es ist wichtig, dass wir solche Wissenschaftler haben“, betonte Becker.

Exzellente Forschung mit neuberufenen Professorinnen und Professoren

Wie sehr in hochwertige Forschung und entsprechendes Personal investiert wird, zeigte sich dann auch bei der alljährlichen Vorstellung der Neuberufenen. Waren es in den Vorjahren meist eine Handvoll gewesen wurden in diesem Jahr insgesamt zehn neuberufene Professor*innen und außerplanmäßige Professor*innen dem versammelten Publikum vorgestellt: Prof. Corinna Dawid (komm. Leitung „Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik“), Prof. Sara Diana Leonhardt (Plant-Insect-Interaction), Prof. Timo Oksanen (Agrarmechatronik), Prof. Rupert Seidl (Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften), Prof. Veronika Somoza („Nutritional Systems Biology“) sowie Prof. Nina Henriette Uhlenhaut („Metabolic Programming“).

Becker hob auch die Rolle des wissenschaftlichen Mittelbaus hervor und betonte, dass diese „nicht unterschätzt werden dürften“. Die vier neuberufenen außerplanmäßigen Professorinnen und Professoren sind Apl. Prof. Kurt Gedrich (Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung), Apl. Prof. Andreas König (Lehrstuhl für Tierernährung), Apl. Prof. Karin Pritsch (Lehrstuhl für Bodenökologie  sowie Apl. Prof. Thomas Rötzer (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde).
In den Ruhestand verabschiedet wurden Apl. Prof. Roland Gerstmeier vom Lehrstuhl für Zoologie und Prof. Klaus Wahl, Honorarprofessor mit dem Fachgebiet Weinbau.

Preise für die besten Masterarbeiten

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher betonte in seinen Neujahrswünschen die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Freising und dem WZW und lobte die gemeinsame Vortragsreihe TUM@Freising. Die Vortragsreihe, die alle sechs Wochen im Lindenkeller in Freising stattfindet und beinahe jedes Mal bis zum letzten Platz gefüllt ist, zeige ganz deutlich, dass das Interesse der Bevölkerung an den Weihenstephaner Forschungsthemen sehr groß sei. Als Vertreter der Stadt sei er stolz, dass „hier bei uns versucht wird Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden“, so Eschenbacher. „Mit der Forschung in Weihenstephan leisten wir unseren Beitrag dazu, die Klimaziele zu erreichen“, betonte er. Hierbei sei besonders die junge Generation gefragt und so verlieh er auch in diesem Jahr die Preise für die besten Abschlussarbeiten der Studierenden der sechs Fakultäten. Dabei wurde jeweils eine Masterarbeit pro Studienfakultät der insgesamt sechs Studienfakultäten, die alle mit der Traumnote 1,0 bewertet worden sind, mit einem Preisgeld von 250 € ausgezeichnet. Die Sieger im Studienjahr 2018/2019 sind Samira Dietze (Agrar- und Gartenbauwissenschaften), Kim Wagner (Biowissenschaften), Lena Dworschak (Brau- und Lebensmitteltechnologie), Josef Ranner (Ernährungswissenschaften), Kristina Witzgall (Forstwissenschaften und Ressourcenmanagement) sowie Markus Bauer (Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung).

Nach dem offiziellen Teil konnten sich die Gäste bei musikalischer Untermalung austauschen und verschiedene Biere aus der TUM-eigenen Forschungsbrauerei verkosten.

Bilder in hoher Auflösung:https://mediatum.ub.tum.de/1534237

Redaktion:
Susanne Neumann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit WZW
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