< Neujahrsempfang 2017: Motto „Gestalten, nicht verwalten“ soll das neue Jahr am Campus prägen
13.01.2017 12:11 Alter: 103 days

Neues Analyseverfahren: Dem Bacillus cereus auf der Spur

Der Lebensmittelchemiker Prof. Thomas Hofmann und der Mikrobiologe Prof. Siegfried Scherer haben mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien ein Analyseverfahren entwickelt, das erstmals die schnelle und präzise Bestimmung des Bakteriums B. cereus und seines Giftes Cereulid in der Lebensmittelherstellung ermöglicht. Für diese „Cereulid-Tool-Box“ ist das Team Ende 2016 mit dem Otto von Guericke-Preis der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) ausgezeichnet worden.


Prof. Thomas Hofmann (l.), Prof. Siegfried Scherer und ihre Wiener Projektpartnerin Prof. Monika Ehling-Schulz wurden für die „Cereulid-Tool-Box“ ausgezeichnet. (Bild: AiF)

Das Bakterium Bacillus cereus kann in nahezu allen Lebensmitteln vorkommen und dort das Gift Cereulid bilden. Nach dem Verzehr kontaminierter Produkte kommt es zu Lebensmittelvergiftungen, die einen schweren Verlauf nehmen können. In seltenen Fällen kann das Gift auch Erkrankungen wie Hepatitis verursachen. Die in der Lebensmittelindustrie zur Abwehr von Bakterien bewährte Hitzebehandlung schlägt bei B. cereus nicht an, weil dessen Sporen und das Toxin Cereulid hochgradig hitzestabil sind. „Selbst bei sehr hohen Hygienestandards ist es oft unmöglich, eine Kontamination mit B. cereus zu vermeiden“, erklärt Prof. Siegfried Scherer vom Lehrstuhl für Mikrobielle Ökologie der TUM.

Bislang gab es weder ein Nachweisverfahren, das in der Lebens- und Futtermittelherstellung praktikabel ist, noch Kriterien zur Bewertung der Toxizität von Cereulid. Die Wissenschaftler haben ein System neuer Analyseverfahren entwickelt, mit dem sich feststellen lässt, ob ein Produkt kontaminiert ist und welches Risiko von ihm ausgeht. Die Screening-Methode ermöglicht eine schnelle Eingruppierung von B.-cereus-Stämmen in Hoch-, Mittel- und Niedrigtoxinproduzenten. Neben einem schon bekannten Cereulid können mit dem Verfahren 18 weitere, bisher unbekannte Formen des Toxins identifiziert werden. Statt bislang 60 Stunden dauert die präzise Bestimmung von Cereulid in Lebensmitteln nun lediglich 45 Minuten. 

Eine „Tool-Box“ für die Praxis

„Mithilfe unserer routinetauglichen Schnellmethoden können wir die Cereulid-Menge erstmals akurat quantifizieren und damit zum vorbeugenden Verbraucherschutz beitragen“, sagt Prof. Thomas Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik der TUM. Das Verfahren wird als „Cereulid-Tool-Box“ bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt. Auf seiner Grundlage wird derzeit ein weltweiter ISO-Standard entwickelt. Dr. Volker Häusser, Geschäftsführer der Forschungsvereinigung FEI, die das Projekt koordiniert hat, ist überzeugt: „Die Cereulid-Tool-Box wird in naher Zukunft ein weltweit angewandter Standard sein, der nicht nur in der Lebensmittelindustrie, sondern auch in der Pharmaindustrie und in der humanmedizinischen Diagnostik eingesetzt wird – ein Forschungsergebnis mit enormem Marktpotential.“ 

Preis mit 10.000 Euro dotiert

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. ist das Forschungsnetzwerk für den deutschen Mittelstand. Als Dachverband von 100 gemeinnützigen Forschungsvereinigungen mit 50.000 eingebundenen Unternehmen und 1.200 beteiligten Forschungsstellen fördert sie Forschung, Transfer und Innovation. Die sogenannte Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Der Otto von Guericke-Preis wird einmal im Jahr für herausragende Leistungen in der IGF vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Kontakt:

Prof. Dr. Siegfried Scherer
Technische Universität München (TUM)
Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (ZIEL)
Tel.: +49 8161 713516
siegfried.scherer[at]wzw.tum.de